Pflegekräfte aus dem Rhein-Lahn-Kreis äußern Kritik an der Pflegekammer

11. März 2026

Bad Ems / Mainz, 11.03.20226 – Rund 30 Pflegekräfte aus verschiedenen Einrichtungen des Rhein-Lahn-Kreises haben bei einem Themenabend in der Tagespflege Wilhelmsallee in Bad Ems ihre Erfahrungen mit der Pflegekammer Rheinland-Pfalz geschildert und dabei auch deutliche Kritik geäußert. In der Diskussion wurde von vielen Teilnehmenden die Haltung deutlich, dass sie eine Abschaffung der Pflegekammer in ihrer derzeitigen Form befürworten.

Zu dem Austausch hatte die Stiftung Diakoniewerk Friedenswarte eingeladen. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, ihre Erfahrungen aus dem Berufsalltag sowie die Auswirkungen der Pflegekammer Rheinland-Pfalz auf ihre berufliche Praxis mit der Landtagsabgeordneten und Landesvorsitzenden der FREIE WÄHLER Rheinland-Pfalz, Lisa-Marie Jeckel, zu diskutieren.

Hintergrund des Themenabends war ein Besuch von Jeckel im Georg-Vömel-Haus im Januar dieses Jahres. Bei diesem Austausch mit dem Vorstand und der Einrichtungsleitung wurden neben den allgemeinen Herausforderungen auf dem Pflegemarkt auch Erfahrungen der Mitarbeitenden mit der Pflegekammer thematisiert. Da dem Träger aus Gesprächen mit Pflegefachpersonen bereits unterschiedliche Sichtweisen und auch kritische Rückmeldungen bekannt waren, entstand die Idee, diesen Austausch zu vertiefen und den betroffenen Pflegekräften selbst Raum zu geben, ihre Perspektiven unmittelbar zu schildern.

Die Atmosphäre des Abends war geprägt von intensiven Gesprächen und großer Offenheit. Viele Pflegekräfte berichteten, dass sie sich von der Pflegekammer bislang nicht ausreichend vertreten fühlen. Statt als Interessenvertretung werde sie von einigen Beschäftigten eher als zusätzliche bürokratische Struktur wahrgenommen.

Besonders kritisch wurden die verpflichtende Mitgliedschaft, die Beitragspflicht sowie der aus Sicht vieler Pflegekräfte bislang begrenzte konkrete Nutzen für den Berufsalltag diskutiert. Auch Fragen rund um Verwaltung und Beitragsberechnung wurden angesprochen. Einige Teilnehmende berichteten dabei von schwer nachvollziehbaren Beitragsbescheiden, was aus ihrer Sicht zusätzlich zu Verunsicherung geführt habe.

Im Verlauf der Diskussion wurde außerdem der Vergleich zu anderen Berufsgruppen gezogen, die ebenfalls über Kammern organisiert sind – etwa Steuerberater oder Rechtsanwälte. Viele Pflegekräfte, die überwiegend angestellt arbeiten, sehen dieses Modell daher teilweise kritisch und halten eine andere Form der Interessenvertretung für sinnvoller.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Pflegekräfte ursprünglich große Erwartungen an die Kammer hatten – etwa bei der Stärkung des Berufsbildes oder der Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Ein Teil der Teilnehmenden sieht diese Erwartungen bislang noch nicht ausreichend erfüllt.

„Die Rückmeldungen aus der Praxis waren sehr offen und teilweise auch sehr ernüchternd“, erklärte Jeckel nach der Veranstaltung. „Viele Pflegekräfte empfinden die Pflegekammer derzeit nicht als Unterstützung, sondern eher als zusätzliche Belastung. Statt Entlastung erleben sie mehr Bürokratie, Pflichtbeiträge und bislang nur wenige spürbare Verbesserungen für ihren Berufsalltag.“

Nach Ansicht der FREIE WÄHLER Rheinland-Pfalz bestätigen die Gespräche die Kritik, die die Partei bereits seit längerer Zeit an der aktuellen Ausgestaltung der Pflegekammer äußert.

„Wer wirklich etwas für die Pflege tun will, muss den Menschen zuhören, die täglich in diesem Beruf arbeiten“, so Jeckel. „Die Pflege braucht bessere Arbeitsbedingungen, weniger Bürokratie und echte Wertschätzung.“

Der Themenabend habe gezeigt, wie groß der Gesprächsbedarf innerhalb der Pflege weiterhin sei. „Der Austausch war offen, ehrlich und sehr konstruktiv. Für mich ist klar: Die Erfahrungen der Pflegekräfte müssen stärker in politische Entscheidungen einfließen“, so Jeckel abschließend.